Einblick in die Vergangenheit des Hildegardis-Vereins

Die Geschichte hinter einem 90 Jahre altem Artikel

Bonn, 21.05.2023.

Über die frühen Jahre des Hildegardis-Vereins gibt es nicht mehr viele Originalquellen. Als 1945 die Geschäftsstelle in Aachen durch einen Bombentreffer zerstört wurde, konnte nur ein Teil der Akten gerettet werden. Umso schöner ist es, wenn wir durch die Forschungsarbeit anderer ab und an Hinweise auf Spuren aus unserer Vergangenheit bekommen. Einen kleinen Einblick konnten wir gewinnen, als sich Heide Inhetveen, emeritierte Professorin für Land- und Agrarsoziologie und Rurale Frauen- und Geschlechterforschung an der Universität Göttingen, bei uns meldete. Sie forsche über das Leben von Huberta Bronsart von Schellendorff (1892–1978) und sei in einem ihrer Artikel auf den ihr unbekannten Hildegardis-Verein gestoßen. Ich erzählte ihr etwas über den Hildegardis-Verein und sagte zu, in den mir verfügbaren bescheidenen Quellen nachzusehen. Frau Inhetveen erzählte mir etwas über Huberta Bronsart und versprach, ihren Verweis auf den Verein zuzuschicken.

Bronsart war vermutlich die erste Astronomie-Studentin in Deutschland, widmete sich dann aber der Biologie und promovierte 1919 in Heidelberg über eine Gattung von Schlauchpilzen. 1931 schrieb sie den Artikel „Die Studentin von heute“ für die Zeitschrift „Ins Leben hinaus: ein Buch für Mädel von heute“ über die Einführung des Frauenstudiums und die Herausforderungen für Studentinnen. Eine Kopie des Artikels mit einigen handschriftlichen Kommentaren sandte Heide Inhetveen uns wenige Tage später zu.

Darin schreibt Bronsart über die finanzielle Situation der Studentinnen von 1931: „Freilich muß viel wertvolle Kraft, die eigentlich zur Bewältigung geistiger Arbeit frei bleiben sollte, im Daseinskampf verbraucht werden.“ Sie zählt auf, dass es Einrichtungen gebe, die Darlehen gewährten, Arbeit vermittelten oder günstige Bücher und Instrumente besorgen könnten, aber nur eine davon nennt sie namentlich. „Teils gehen diese Einrichtungen von der Studentenschaft selbst aus, teils von wohltätigen Vereinen, wie zum Beispiel vom ‚Hildegardisverein‘, der sich eigens die Sorge für arme Studentinnen angelegen sein lässt.“

Mehr als ein Jahr nach diesem Austausch erhielt ich eine Mail von Heide Inhetveen: „Sehr geehrte Frau Lukassek, unser Kontakt ist schon lange her, aber heute habe ich die Freude, Ihnen das Erscheinen des Pionierinnenbuches mitzuteilen, in dem auch eine längere Biografie zu Huberta Bronsart von Schellendorff zu finden ist.“ Es handelt sich um das Buch „Passion und Profession. Pionierinnen des ökologischen Landbaus“ von Heide Inhetveen, Ira Spieker und Mathilde Schmitt. Mit seinen agrar- und frauengeschichtlichen Überblicken und 51 Porträts biet es auf 400 Seiten eine spannende Lektüre für alle, denen der Öko-Landbau und die Würdigung der weiblichen Anteile an der Fortschrittsgeschichte der Landwirtschaft ein Anliegen sei ist.

„Auch wenn wir über die Verbindung von Bronsart mit dem Hildegardis-Verein kaum etwas wissen, ist ihr Artikel doch auch ein Hinweis auf den Hildegardis-Verein (von dem ich bis zu dieser Recherche nichts wusste,“ schreibt Inhetveen. Wer sich für das im oekom-Verlag München erschienene Buch interessiert, findet weitere Informationen unter: https://www.oekom.de/buch/passion-und-profession-9783962382933.

Von Agathe Lukassek

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